Auf Steelhead im Babine River

16.08.2015 12:45

Steelheadfischen im Babine River in British Columbia - Eine Reise zu dem Fluss der Giganten

Babine-001Die Dokumente einer langen Reise…

Der Fang von wilden Steelhead ist der Traum vieler Fliegenfischer, auch weil diese großen Forellen sehr selten sind und sich ihr Verbreitungsgebiet auf die Westküste Nordamerikas beschränkt.
Ich fische seit vielen Jahren regelmäßig auf Steelhead in Kanada, wobei man die besten Chancen im Skeena River im Norden von British Columbia und seinen Nebenflüssen hat. Die bekanntesten hiervon sind die Flüsse rund um Terrace ( Copper, Kalum, Kasics und einige andere ) und einige Flüsse, die in den Oberlauf des Skeena münden ( Kispiox, Bulkley, Babine, Sustut ). Nachdem ich vor einigen Jahren in der Steelhead Valhallalodge ( www.steelheadvalhallalodge.com ) am Unterlauf des Sustut eine erstklassige Fischerei erleben durfte, buchte ich diesmal über den amerikanischen Reiseveranstalter Flywatertravel  ( www.flywatertravel.com ) eine Woche am berühmten Babine ( www.babinenorlakes.com ).  Ich hatte das große Glück, dass ein langjähriger Gast in diesem Jahr keine Zeit hatte und ich in seiner Woche fischen durfte. Aufenthalte in dem  Babinenorlakes Camp werden so gut wie nie angeboten, da das Camp durch ständig wiederkehrende Gäste fast immer ausgebucht ist. Ich habe einen Gast dort kennengelernt, der bereits 48 Wochen in den letzten 25 Jahren in dem Camp verbracht hat. Der Babine wird gespeist vom Babinelake und dadurch ist der Wasserstand des Flusses meistens gleichbleibend mit Ausnahme der Schneeschmelze im Frühjahr. Das Wasser ist relativ klar und sichtig, jedoch kann es durch den Zufluss kleinerer Nebenflüsse, die von Gletscherschmelzwasser gespeist werden, zu einer lokalen Eintrübung führen. Dies hat keinerlei Einfluss auf die Qualität der Fischerei, jedoch ist das Fischen auf Sicht dann nicht möglich.
Die Steelheadsaison am Babine ist von Anfang September bis Ende Oktober, da es in diesem Fluss nur einen Herbstaufstieg gibt und dieser beginnt im Juli/August. Ab Ende Oktober beginnt hier oben im Norden bereits der Winter und die Fischerei ist so gut wie nicht mehr möglich. Der Babine wurde berühmt und bekannt durch den amerikanischen Steelhead Guru Lanni Waller, der die Fischerei auf Steelhead viele Jahre publiziert hat.
Die Reise ging also wie üblich von Frankfurt mit Air Canada nach Vancouver, dort ein kurzer Aufenthalt und dann weiter bis Smithers. Der Flieger war zu 50% mit Fliegenfischern besetzt und ich nutzte die Gelegenheit, um mit meinem Sitznachbarn ausführlich über das Fischen auf Steelhead zu diskutieren. Er war ein pensionierter Literaturprofessor aus North Carolina, der seit einigen Jahren am Bulkley auf Steelhead fischte. Wir hatten beide zufällig das gleiche Hotel, die Hudson Bay Lodge, gebucht und somit war der Abend gerettet.

Babine-002Die Hudsonbay Lodge begrüßt ihre Gäste…

Die Hudson Bay Lodge ( www.hudsonbaylodge.com ) kannte ich noch von meinem Trip an den Sustut, der Hotelstandard entspricht einem 3-Sterne Hotel in Deutschland. Also ganz ordentlich, aber nichts Besonderes, wobei der Preis für eine Übernachtung ( ohne Frühstück ! ) deutlich über dem deutschen Standard liegt. Der Vorteil der Hudson Bay Lodge ist die zentrale Lage in Smithers und die ganz gute Küche.

Babine-003
Die Mainstreet von Smithers…

Der Gästewechsel im Babinenorlakes Camp ist, anders als bei vielen anderen Camps, immer von Sonntag bis Sonntag. Da der Direktflug von Frankfurt nach Vancouver und der Weiterflug nach Smithers nur an einem Freitag möglich sind, musste ich zwei Übernachtungen buchen und hatte daher die Zeit, mir Smithers in aller Ruhe anzuschauen. Neben vielen Restaurants gibt es übrigens auch zwei Shops für Fliegenfischer, einer der Shopmanager sprach sogar deutsch! Unbedingt in beide mal reinschauen und sich Tips für die Steelheadfischerei abholen.
Und dann war es endlich soweit, am Sonntagmorgen um 7.00 Uhr kam der Van, der mich und zwei weitere Gäste zur Bootsrampe am Babinelake brachte. Nach einer zwei Stunden langen Fahrt über Schotterpisten durch endlose Wälder kamen wir dort an und wurden bereits vom Team des Camps erwartet.

Babine-004
Die Bootsrampe im Morgendunst…

Babine-004-1
Warnschild für sorglose Wanderer…

Die Fahrt ging dann in Jetbooten stromabwärts bis zum Camp, welches idyllisch in einer Flußkehre des Babine liegt. Das Camp selbst besteht aus einem Haupthaus, in dem sich die Küche befindet und in dem gegessen wird, und 4 größeren Blockhütten für die Gäste, die Guides und das Küchenpersonal. Insgesamt kann das Camp bis zu 10 Gäste beherbergen. Letztes Jahr wurde eine komplett neue Blockhütte mit zwei Duschen und zwei Waschplätzen gebaut, solch einen Komfort hatte ich in der Wildnis nicht erwartet! Mehrere Toiletten sind im Wald verteilt, sehr einfach, aber sauber.
Meine Unterkunft war für 4 Gäste ausgelegt, wir schliefen dort zu Dritt, witziger Weise waren meine Mitbewohner beide pensionierte Ärzte aus den USA. Der Raum hat neben den Betten noch genügend Platz, um Sachen zu verstauen oder aufzuhängen und an einem kleinen Tisch kam man gemütlich sitzen und ein Bier trinken. Ein Ofen, der mit Diesel gespeist wurde, lieferte eine angenehme und wohlige Wärme.
Im Camp kommt der Strom von einem Generator, der mit Diesel betrieben wird. Morgen um 6.00 Uhr wird er gestartet und abends um 22.00 Uhr wieder ausgeschaltet. Somit gibt es nachts kein Licht, außer man hat eine Taschenlampe dabei oder der Mond scheint hell.

Babine-09Lagerfeuerromantik pur…

Abends wird das große Lagerfeuer entzündet und man sitzt dort manchmal bis Mitternacht mit der obligatorischen Dose Bier oder einem anderen Drink.  Die Gäste im Camp kamen aus den USA, aus Kanada, aus Japan und ich aus Deutschland. Ich habe selten so eine angenehme und entspannte Gemeinschaft erlebt wie im Babinenorlakes Camp. Mit jedem Gast ( sogar mit den Japanern! ) kam man schnell ins Gespräch und tauschte sich aus, wenn auch größtenteils mit Händen und Füssen.
Jeden Morgen pünktlich um 8.00 Uhr starteten wir vom Camp aus und abends gehen 17.30 Uhr waren wir wieder zurück.

Babine-009
Die morgendliche Einteilung der Gäste…

Der Babine  ist ein Nebenfluss des Skeena, befischbar sind ca. 30 Kilometer.  Der Fluss ist im Durchschnitt ca. 20-25 m breit und hat neben flacheren Bereichen sehr viele tiefe Rinnen und Löcher, die teilweise über 5 m tief sind. Der perfekte Fluss für jeden Steelheader!

Babine-008

Das Durchschnittsgewicht der Steelhead im Babine beträgt 10-12 Pfund, aber Fische von über 20 Pfund wurden täglich gefangen. Der größte gefangene Fisch in meiner Woche war ein männliches Tier mit geschätzten 25 Pfund und einer Länge von ca. 105 cm.

Babine-006
14 Pfund pure Kraft…

Babine-007
Mit der Trockenfliege gefangen…

Alle Fische sind wild und in einem ausgezeichneten vitalen Zustand, Drills mit langen Fluchten sind die Regel. Steelhead Bisse sind entweder hart, so dass man nicht wirklich anschlagen, sondern lediglich die Rute anheben muss, oder aber sehr zart, man spürt dann lediglich ein mehrmaliges Zupfen und dann rennt der Fisch los. Bei solchen Bissen musste man sich zurückhalten und nicht gleich anschlagen, ansonsten zieht man dem Fisch die Fliege aus dem Maul. Generell sollte man beim Anschlagen die Rute immer seitlich Richtung Ufer ziehen, somit hakt die Fliege fast immer optimal im Maulwinkel.

Babine-13
Das Book of Records - Jeden Abend werden akribisch alle Fänge des Tages aufgeschrieben…

Das beste Gerät für den Babine ist eine Zweihandrute in den Längen 12‘ 6‘‘ bis 14‘‘ für die Schnurklassen 8 oder 9. Kürzere und längere Ruten sind zwar auch geeignet, aber optimal sind die erwähnten Längen.
Üblicherweise nimmt man ans Wasser immer zwei fertig aufgebaute Ruten mit, eine für das Fischen mit der Schwimmschnur und der Trockenfliege und eine Rute für tiefe Löcher und tiefe, schnelle Züge mit entsprechend schweren Schnüren.
Ich selbst habe nach vielen Jahren des Ausprobierens die für mich besten Steelheadruten gefunden, und zwar Ruten des amerikanischen Herstellers Burkheimer. Neben einer Burkheimer Speyrod  in der Länge 12‘7‘‘ als Rute für die leichtere Fischerei mit der Trockenfliege benutze ich eine 13‘6‘‘ Burkheimer Spey Rod  für die schwerere Fischerei mit Schussköpfen bis ca. 35 g und schnell sinkenden Vorfächern von Rio oder Teeny, Sinktypen 7 bis 10.

Babine-009-1

Als Rolle kann jede beliebige Fliegenrolle mit einer belastbaren Bremse und einer entsprechender Kapazität verwendet werden. Ich selbst verwende die großen Waterworks-Lamson ARX Rollen, aber auch  die Hatch Finatic Modelle 9-10 sind erstklassig geeignet.
Als Vorfachspitze verwendet man in der Regel Fluorocarbon-Material in der Stärke 0,28 bis 0,33 mm ( 16-20 Pfund Tragkraft ) oder auch Maxima Nylon mit ähnlicher Tragkraft.
Als Fliegen verwendet man die überall bewährten Muster, mittlerweile werden fast nur noch größere Intruderfliegen in verschiedenen Farben benutzt. Am Babine habe ich zudem auch viel mit Trockenfliegen gefischt, hier sind Rehhhaarfliegen ( Bomber o.ä. ) optimal.
Zur weiteren Ausrüstung gehört natürlich eine atmungsaktive Wathose ( ich bevorzuge Simms, aber auch jeder andere Hersteller wie Orvis oder Patagonia bieten qualitativ hochwertige Hosen an ) und der Jahreszeit entsprechende Bekleidung. Je nach Monat und Witterung genügt eine lange Unterhose unter der Wathose, oder entsprechend mehr Lagen, wenn es kälter ist. Wichtig ist eine wasserdichte Watjacke, denn wenn es einmal in B.C. regnet, dann für einen längeren Zeitraum.
Das Fazit meiner Reise:
Auch diese Reise war für mich ein voller Erfolg und, sobald sich die Gelegenheit bietet, werde ich wieder an den Babine reisen. Insbesondere ( für mich als Forellenfischer ) war die Fischerei  mit der Trockenfliege auf Steelhead ein tolles Erlebnis, welches ich während der Woche am Babine erleben durfte. Aber auch hier ist zu erwähnen, dass die Steelhead die Trockenfliege sehr zart und subtil nehmen, jedes zu schnelle Anschlagen bedeutet den Verlust des Fisches!
Die Gäste im Camp waren durch die Bank nett und hilfsbereit, so dass die Atmosphäre außerordentlich entspannt war und somit erheblich zum Genuss des Camp Aufenthaltes beitrug.
Die Guides waren durchgehend freundlich und hilfsbereit und das weitere Personal im Camp waren ebenfalls so freundlich und herzlich, wie man sich das immer wünscht.
Ich kann abschließend nur die eine Frage stellen: „Want to become a steelheader?“. Falls ja, sollten Sie eine Reise an den Babine in Erwägung ziehen.
Babine-005
So lacht man, wenn eine Steelhead aus dem Kescher springt…

Babine-008-1

Babine-008-2

 


Kommentar schreiben
Captcha

Bitte geben Sie die Zahlenfolge in das nachfolgende Textfeld ein

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.